Stille…

Eigentlich könnte ich sehr viel schreiben. Langweilig ist es in meiner Familie ja nie.

  • Ich könnte darüber schreiben, dass mein Kleinster diese Woche in der Schule schnuppern durfte und am Montag eingeschult wird.
  • Ich könnte darüber schreiben, dass er durch eine Erkältung wieder sehr schlecht hört und meine tiefe Stimme fast gar nicht versteht.
  • Ich könnte darüber schreiben, dass ich Ärzt*innen angeschrieben habe, aber bisher keine*r bereit ist, meine OP auch nur zu besprechen.
  • Ich könnte über die letzten Tage mit dem jobcenter schreiben

Aber eigentlich fehlt mir für das irgendwie die Kraft. Derzeit sind so viele Dinge, die gleichzeitig Druck auf mich ausüben, dass ich froh bin, dass ich funktioniere. Ich freue mich, mit meinen Kindern UNO zu spielen und abends neben meiner Frau auf der Couch einzuschlafen… ich teile mir meine Kraft und Energie derzeit so ein, dass etwas davon bei den Menschen ankommt, die mir wichtig sind – im realen Umfeld, wie auch bei meinen Freund*innen in den sozialen Netzwerken.

Und plötzlich zeigt sich ein Weg… 

Heute vormittag hatte ich einen Termin bei meinem Therapeuten und irgendwie ist der letzte Termin schon ne ordentliche Weile her, also bekam er ne Flut an Informationen. Das Gespräch tat mir echt gut, weil ich dabei erkannte, wie viel die zahlreichen kleinen Veränderungen der letzten Wochen tatsächlich verändert haben.

Tja und dann ein Anruf einer Gutachterin/Therapeutin, der ich Anfang der Woche einen langen Brief geschrieben hatte, die dafür bekannt ist, dass sie auch mal Lösungen erreichen kann, die nicht dem geraden Muster der Krankenkassen und des MDK entsprechen… Sprich: eine Perspektive Richtung meine gewünschte  OP. Tja, da habe ich im April also nen Termin 

Heute Nachmittag rufe ich einen Arzt in Hamburg an, den ich am liebsten für meine Operation haben würde… Drückt mir ein bisschen die Daumen. 

Eine Antwort…

Juhuu. Die Barmer GEK hat mich heute angerufen. Immerhin habe ich jetzt eine Liste von Kliniken, die ich anschreiben kann… leider kann die Krankenkasse nichts sagen, bezüglich Details zur OP… die Kliniken behandeln teilweise Frau-zu-Mann Patienten und keine Mann-zu-Frau Patientinnen… also viel Handarbeit vor mir…

Aber ein Anfang

 

Buchrezension – Wir machen uns die Welt

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Ich – also nein, eigentlich nicht ich, sondern meine Kinder durften ein Buch lesen und bewerten. Es handelt sich um „Wir machen uns die Welt“ von Birgit Hauska und Nina Waibel (erschienen im Verlag ATHENA – ISBN 978-3-89896-651-1).

Was ist #wirmachenunsdieWelt für ein Buch?

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Das Buch hebt sich schon mal optisch von den meisten in meinem Bücherregal ab. Kein Wunder, die Zielgruppe sind Leser*innen zwischen 12 und 17. Der kreative Guide für Jugendliche ist grafisch hervorragend gestaltet und in einer lockeren Sprache verfasst – verfällt aber nicht in einen Pseudo-Jugend-Slang.

Mit verspieltem Layout, kurzen Texten und vielen (sehr vielseitigen) Bildern bietet es Jugendlichen Anleitungen für kreative Projekte.

Also, fragte ich meinen 13-jährigen Sohn, ob er das Buch denn ansehen wolle, damit ich seine Meinung in meine Rezension einfließen lassen kann. Er, die Sportskanone der Familie, blätterte kurz durch, rümpfte die Nase und lehnte dankend ab.

Die nächste in der Reihe war meine 12-jährige Tochter. Sie hat viele kreative Ideen, die sie in Fotos und Videos umsetzt (musica.ly ist ihre zweite Heimat) und es vergeht keine Woche, in der sie nicht eine Packung Lebensmittelfarbe und andere Zutaten zu Knetmasse, Schleim oder einer tatsächlich essbaren Masse verarbeitet. Sie ist die Person im Haushalt, die sich mit ihren Freundinnen eigentlich für jedes Experiment zu haben ist.

„Könnte interessant sein“, „Klingt gut“, „Cool“, „Sollte man mal ausprobieren“ – nach 14 Tagen hatte meine Tochter das Buch mit vielen bunten PostIt Zetteln versehen.

Meine Tochter hatte erstmal 2 Wochen Zeit, dann fragte ich sie, ob sie etwas für die Umsetzung einer Idee brauchen könnte. Sie bräuchte nichts, es wäre ein tolles Buch. „Echt viele ziemlich coole Ideen,“ meinte sie. Und im Buch waren wirklich zahlreiche Stellen markiert. Also ließ ich ihr Zeit und bemerkte schmunzelnd, dass das Buch tatsächlich immer wieder an einem anderen Platz lag. Aber: sie hat auch nach mehr als einem Monat keine Idee aus dem Buch aufgegriffen. Ihr Feedback, als ich sie dazu fragte: „Klingt alles toll, aber irgendwie hat es mich nicht gereizt.“

pixlr_20170211151319148.jpgNun habe ich einen 8-jährigen Sohn zuhause, der Bücher regelrecht verschlingt. Eigentlich ist er ja zu jung für die Zielgruppe, aber er bat mich, das Buch auch lesen zu dürfen. Bereits am nächsten Tag zeigte er mit zwei Ideen, die er umsetzen wollte. Und: er will das Buch behalten. Selbstständig bastelte er eine Sockenpuppe und hat für die nächsten Wochen schon große Pläne. Besonders die technischen Projekte findet er faszinierend. Ich habe also in den nächsten Wochen einiges zu tun.

Natürlich habe ich mir das Buch auch selbst angesehen und kann zusammenfassend sagen: Es ist ein grafisch großartig gemachtes Buch, das 25 sehr kreative Ideen auf interessante Art vermittelt und zum Experimentieren einlädt. Es erinnert mich ein wenig an einige, der schönen Kochbücher, die ich habe: super Rezepte, verlockende Bilder, aber ich habe kaum etwas aus diesen Büchern nachgekocht.

 

 

Liebe BARMER GEK,

Sehr geehrte Damen und Herren,

Gerne hätte ich Ihnen dieses Schreiben per Formular zugeschickt, allerdings konnte ich dort gerade mal drei Absätze einfügen, was zur Vermittlung meines Anliegens nicht reicht. Und daher wende ich mich mit diesem offenen Brief an Sie:

Ich bin transsexuell. Das weiß ich seit meiner Kindheit, lebe es seit einigen Jahren und trotzdem muss ich es für Behandlung von Dritten (Ärzten, Gutachtern) bestätigen lassen… entweder, dass ich transsexuell bin oder dass ich darunter leide. Ich leide an meiner Transsexualität hauptsächlich deshalb, weil ich meine Behandlung nicht bekommen kann, ohne dafür kämpfen zu müssen.

Für meinen Weg in die Öffentlichkeit brauchte ich keine Therapie, da aber nicht einmal eine Haarentfernung ohne Bestätigung des Leidensdrucks eines Therapeuten möglich ist (und das obwohl meine Diagnose durch Indikationen und Gutachten belegt ist), mache ich eine Therapie. Diese Kosten könnte man locker sparen… Aber, da ich ohne Therapie kein Gehör fand, sitze ich regelmäßig bei meinem Therapeuten und versuche ihm meinen Leidensdruck zu vermitteln… denn den habe ich… meinen Bartwuchs kann ich nur für mehr als ein paar Stunden überschminken und dann ist mein Passing einfach hinüber (trotz Hormonen).

Ich habe kein Haarteil beantragt, weil es weniger Aufwand war, eine eigene Lösung zu finden… denn auch dafür muss ich den Leidensdruck nachweisen. Und ganz ehrlich: Anträge stellen und immer riskieren, dass der Antrag dann abgelehnt wird und man darum kämpfen muss, das ist eine psychisch Belastung, auf die ich gerne verzichte.

Seit inzwischen fünf Jahren sammle ich Informationen zur geschlechtsangleichenden Operation. Ja, ich will meinen Penis und die Hoden definitiv los werden. Nun ist die Sandardlösung die Penile Inversion, über die bekomme ich auch am Telefon offen Auskünfte.

Warum ich die Penile Inversion ablehne:

  • Bei der Penilen Inversion wir die Neovagina aus der Haut des Penis geformt.
  • Diese Methode schafft eine künstliche Körperöffnung, die niemals feucht wird.
  • Die Haut des Penis ist nur bedingt geeignet, und birgt ein großes Risiko von Narbenbildung, späterer Verletzungen und Infektionen.
  • Die Neovagina kann keinen vaginalen Orgasmus bewirken.
  • Die Neovagina muss vom ersten Tag an mit einem Dildo gedehnt werden, damit das Gewebe weit bleibt, da der Körper versucht die Wunde (die künstliche Öffnung) zu verschließen.
  • Bei der OP besteht das Risiko, dass Nervenenden durchtrennt werden, also weniger Gefühl da ist, als zuvor.
  • Ich hatte in meinem Leben Sex mit Männern, leider sind diese Erfahrungen so mies, dass ich eindeutig sagen kann: ich will definitiv niemals wieder Sex, bei dem mich ein Mann penetriert. Also brauche ich keine Körperöffnung für meinen Sex.
  • Für meine sexuelle Befriedigung war Penetration nie nötig.
  • Ich lebe mit meiner Frau und werde mich – egal was passieren sollte – definitiv nicht mehr auf Sex mit einem Mann einlassen.
  • Ich will nicht, dass der Penis des Mannes, der ich nie war, in mich gestülpt wird und den Rest meines Lebens in mir steckt.
  • Ich brauche für meine Befriedigung nur den Teil meines Körpers, der bei der OP für die Neoklitoris und die Schamlippen verwendet wird.
  • Ich will keine Neovagina.

Es gibt andere Operationstechniken, bei der die Neovagina aus dem Hodensack gebildet wird. Das ist weniger risikoreich und mir einiges sympatischer, ich brauche aber die Neovagina genauso wenig, wie oben argumentiert… ich will keinen Sex mit Penetration, also macht es keinen Sinn eine künstliche Körperöffnung anzulegen.

Nun ist es so, dass vor einigen Jahren die OP, die ich will (äußere Angleichung ohne Neovagina) die sogenannte Kleine Lösung war. Ich erhalte dazu aber an der Hotline keine Auskunft. Ich werde verbunden, kann lange erklären und habe in den fünf Jahren keine Rückmeldung durch einen Facharzt bekommen, der die Operation kannte. Alles bezog sich auf die Neovagina. Stattdessen wurden mir Urologen genannt, die noch nie eine genitalanpassende Operation durchgeführt haben.

Außerdem wurde ich mehrfach klar gesagt, dass ich, wenn ich keine Vagina will, nicht als transsexuell gelten würde. Die Mitarbeiter sind also per telefonischer Ferndiagnose in der Lage meine Transsexualität besser zu beurteilen, als meine behandelnden Ärzte (Endokrinologe, Gynäkologin, Psychotherapeut, Psychiaterin, Hausärzte und Gutachter).

Bisher habe ich noch keine passende Antwort durch die Hotline bekommen (die sehr höflichen Mitarbeiter der Außenstelle Lemgo sind bei dem Thema überfragt und verwiesen mich an die Hotline).

Meine Frage ganz klar:

Ich will eine Operation zur äußeren Angleichung meiner Genitalien, ohne eine künstlich angelegte Körperöffnung und ich will wissen, welche Ärzte deutschlandweit diese Operation durchführen.

Mit freundlichen Grüßen

Nina Maria Mia Jaros
Bahnhofsplatz 2
32657 Lemgo
0176-57819071
nina@klischeefrei.de