Innere Ruhe…

Die Schule ging diese Woche los und entsprechend war alles ein wenig durcheinander. Bei drei Kindern an drei unterschiedlichen Schulen und einem Kindergartenkind sind Terminkollisionen vorprogrammiert. Die Stundenpläne stehen noch nicht überall fest und überhaupt ist die erste Woche offenbar nur dazu da, zu testen, ob alle den Wecker rechtzeitig gestellt haben und sich morgens auch aufwecken lassen.

Eigentlich klappte der Einstieg ins neue Schuljahr gut. Abgesehen davon, dass unsere Tochter das Schuljahr mit einer Mandelentzündung begann. Und abgesehen davon, dass wir am Freitag eine hektische Suche nach unserem mittleren Sohn starteten, weil die Schule irgendwie vergessen hatte, dass die OGS Kinder nicht mittag Schluss hatten… Aber eigentlich klappte alles recht gut.

Kurz nach dem Ende der Ferien haben Eltern kaum Zeit durch zu atmen. Zwar sind die meisten Besorgungen für die Schule schon in den Ferien erledigt (und unser Keller hat eine Ecke, die an einen Schreibwarenladen erinnert), aber einige Lehrer haben dann doch noch ganz spezielle Wünsche – wie Schnellhefter in Farben, die von Schnellhefterherstellern nicht angedacht sind. Also sind jeden Tag ein paar Besorgungen zu machen.

Zusätzlich waren diese Woche noch meine Nachuntersuchungen am Plan, die gothseidank alle gut verliefen. Ruhe war also nicht angesagt. Eigentlich doch. Der Sommer zeigte nochmal seine schönste Seite und endlich konnten wir wieder in den Garten. Das kleine Plaschbecken für die Kinder und ich konnte erstaunlich entspannt den am meisten überwucherten Teil des Gartens angehen… Dieses Jahr habe ich noch nicht viel geschafft und dabei hatte ich einige Pläne.

Gestern Abend saß ich dann auf der Couch – mit meinem aufkommenden Muskelkater und dachte mal nach. Obwohl dieser Sommer alles andere als ruhig, erholsam und entspannend war, bin ich doch innerlich sehr ruhig geworden. Ich kann gar nicht genau sagen, was sich verändert hat. Ich lebe mehr im Jetzt und gestalte jeden Tag bewusster.

Ja, ich weiß – wirre Gedanken und unsortiert. Mit der pessimistischen Frau, die immer mehr Probleme als Lösungen sah ist irgendwie etwas passiert, das ich nicht ganz begreife: ich fühle mich stark. Es stehen einige Entscheidungen an und ich bin zuversichtlich. Das ist ein Zustand, den ich aus meinem bisherigen Leben nicht kenne.

Vorsichtig optimistisch…

Nach meinem Aufenthalt im Krankenhaus hat sich mein Leben ein kleines bisschen verändert.

Vielleicht liegt es daran, dass mir sehr bewusst ist, wie kritisch die Situation war. Auf jeden Fall habe ich erkannt, dass ich sehr weit im Augenblick – im Jetzt – lebe und das ist auch gut so. Statt mir ständig Gedanken über die mögliche Zukunft zu machen, nehme ich den Moment mit allem positiven und gestallte so meine Gegenwart.

Vielleicht liegt es daran, dass ich ungeschminkt und unrasiert im Krankenhaus ankam und während dem ganzen Aufenthalt auch kein Haarteil trug. Mein Frau-Sein war im Krankenhaus eindeutig weniger von meinem Äußeren abhängig, als es sonst im Alltag oft geschieht.

Vielleicht liegt es daran, dass ich in den Gesprächen mit Psychologen, Therapeuten, Ärzten und Schwestern eine gewisse Selbstsicherheit zeigte, derer ich mir nicht bewusst war. Ein Bewusstsein für meine Wünsche und Bedürfnisse, das ich im Alltag nicht wahrnehme. Ich weiß was ich will und was nicht – und auch warum.

Im Augenblick bin ich eindeutig optimistischer als ich es vor wenigen Wochen war. Eine gewisse Zielstrebigkeit treibt mich an, denn ich gestalte mein Leben in jedem Augenblick. Einige Lasten habe ich bereits abgelegt und für die nächsten Schritte mit der Krankenkasse bin ich gut vorbereitet.

Der Sommer war – oberflächlich betrachtet – mit den Krankheiten der Kinder und meiner eigenen Erkrankung auch abgesehen vom Wetter nicht wie geplant gelaufen. Aber erstaunlicherweise fühle ich mich gestärkt.

Reblog: Vorteile von Cisgendern

Ein sehr bewegender Eintrag.

geschlechtsneutral Ø

„Cis“ ist das Gegenteil von „trans“. Mit Cisgender sind also Menschen gemeint, bei denen das zugewiesene Geschlecht (bei der Geburt entschieden) mit ihrer Geschlechtsidentität (das was sie selbst empfinden) übereinstimmt.
Als Cisgender hat man in unserer Gesellschaft einige Privilegien und Vorteile, die den meisten Cisgendern aber gar nicht bewusst sind.

Die folgende Liste stammt von der Seite „it’s pronounced metrosexual“ und wurde von mir übersetzt. Ich habe ein paar Punkte, mit denen ich selbst besonders häufig zu kämpfen habe, fett markiert..

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Erholung… 

Heute ist der erste Schultag nach den Sommerferien. Dieser Sommer war nicht nur vom Wetter her wenig beeindruckend, nein mit Windpocken der Kinder und meinem Aufenthalt im Krankenhaus war es ein indoor Sommer. Aber die letzten Tage haben wir genossen. Unser Miniurlaub (zwei Nächte bei Regen an der Nordsee) tat mir sehr gut. Vor allem weil die Menschen in Cuxhaven so extrem locker auf mich reagiert haben, trug zu meiner Erholung bei.

Erholung. Wisst ihr, manchmal muss ich schmunzeln, wenn ich mich mit anderen Menschen unterhalte. Besonders wenn es um Urlaub, Erholung und Stress geht… Transgender sind so unterschiedlich, dass ich hier mal klar stellen muss, dass ich nur meinen persönlichen Standpunkt darstellen kann und auch nicht versuche ein allgemein gültiges Bild darzustellen. Stress: mein Passing ist inzwischen ganz okay. Ich sehe zwar nicht unbedingt wie eine cis Frau aus, aber meine weiblichen Züge dominieren und ich werde immer öfter als Frau gelesen (=angesprochen/wahrgenommen). Dennoch stehe ich besonders, wenn ich mit meinen Kindern in der Öffentlichkeit unterwegs bin unter deutlicher Beobachtung. Fragende Blicke, entsetzte Blicke, zustimmende Blicke, Kichern und Lachen, Finger, die auf mich zeigen bis hin zu offenen Beleidigungen ein weites Spektrum. Telefonate, Begegnungen mit Menschen, alles kleine alltägliche Ereignisse, die von mir verlangen, vorbereitet zu sein. Ein Teil von mir ist in ständiger Bereitschaft, sich zu verteidigen. Ein anderer kämpft den inneren Kampf… Den gegen einen Körper, der mit jeder Pore, jedem Haar „Kerl“ schreit. Zwar setzt eine gewisse Gewohnheit ein, aber mein Alltag ist Stress. Abgesehen vom ganz normalen Leben mit vier Kindern… 

Erholung kann man leicht finden…Zum Beispiel ins Schwimmbad gehen, ein paar Bahnen schwimmen und oh. Nein, wirklich erholsam ist Schwimmbad nicht. Sauna… Da scheitert die Erholung schon bei der Wahl der Umkleide. Natürlich könnte ich Wandern oder Radfahren… Aber das empfinde ich persönlich nicht als erholsam. Ich bin ein Wasserwesen… Also: Badewanne.

Urlaub: ja, ich weiß, zwei Nächte an der Nordsee wären für die meisten Menschen nichts, was sie Urlaub nennen. Abgesehen von den beschränkten finanziellen Möglichkeiten möchte ich mal ein paar Gedanken teilen. Ich lebe in einem Land, in dem ich vom Gesetz her auch als Transfrau gewisse Rechte habe. Das klingt für uns selbstverständlich. Aber schauen wir mal, wie Urlaubsziele für transgender in der Realität aussehen: islamische Länder gelten für transgender nicht als sichere Reiseziele, nicht einmal ein Urlaub in der Türkei wäre für mich sicher (auch abgesehen von der aktuellen politischen Lage). Griechenland… Es kommt auf die Region an… in Italien kommt es oftmals zu Übergriffen auf Transfrauen… Am sichersten ist Urlaub für mich in den Städten Zentraleuropas. In den USA müsste ich aufpassen, welche Toilette ich benutze und würde an einigen Flughäfen trotz meiner Dokumente als Mann behandelt und von Männern abgetastet… Urlaub zu buchen ist schwer, je weiter man von der cis-hetero Normalität abweicht, um so schwerer ist es. Einfach mal Koffer packen und los… Ist nicht drin.

Erholung ist für mich mein Garten, meine Familie, meine Couch, meine Meerschweinchen streicheln, meine Erholung muss ich im Alltag finden… 
Ergänzung: der gay travel index zeigt zwar nicht explizit die Problematik für trans* an (der Fokus liegt auf Homosexuellen und der Schwerpunkt auf Männern), aber es verdeutlicht, dass die Welt für viele Menschen deutlich kleiner ist. Artikel der Welt http://m.welt.de/reise/article152947910/Die-gefaehrlichsten-Reiselaender-fuer-Homosexuelle.html