Ruhe… 

Derzeit ist ziemlich viel Trubel in meinem Leben. Während ich einen Weg durch die Belastungen suche, komme ich manchmal innerlich zur Ruhe. Es hilft mir sehr, dass ich im normalen Alltag kaum Energie daran verschwende, ständig über mein Passing und meine Selbstdarstellung nachzudenken. Außerdem hab ich immer wieder unglaublich tolle Menschen um mich, die mir Halt geben, wenn ich mal nicht stark sein kann. Dafür ein Danke an alle… Im RL und den verschlungenen Weiten des Internets <3 

Background Radiation

Ein sehr besonderer Blog, dem ich folge… Ich einem sehr ernsten Thema (engl.)

Accidently Gay

Here is a general snapshot of the news I look at every day. I looked at all this yesterday within three hours of waking up. I don’t do it to be depressed. I just happen to read a lot of news, and queer orientated news in particular. Shall we take a look at what I see in an average day?

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Headline: Top Trump Cabinet candidate claimed trans individuals ’suffer from mental disorders,‘ live a ‚freakish lifestyle‘

http://uk.businessinsider.com/david-clarke-transgender-comments-trump-dhs-2016-11?r=US&IR=T

This is about the appointment of David Clarke. He’s a Sheriff from Wisconsin that hates transgender people being appointed to the Department of Homeland Security. He thinks we are freaks, and by legitimizing the fact that we are alive and human, we are somehow damaging American life.

Headline: Three schools turned away these kids because they have married lesbian parents

http://www.allgaynetwork.net/three-schools-turned-away-these-kids-because-they-have-married-lesbian-parents/

This is an article about a lesbian couple trying to get their…

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Über Perfektheit und Authentizität…

Kennt ihr diese Tage, wenn ich euch unperfekt fühlt? Heute ist so einer. Irgendwie hab ich ein paar Minuten zu lange im Bett verbracht (ich hasse snoozen!) und hatte dann einfach verflucht wenig Zeit. Im Badezimmer stand meine Kaffeetasse, aber dafür hatte ich nichtmal richtig Zeit, denn 17 Minuten, bevor ich aus dem Haus musste, stand ich noch unrasiert, ungewaschen und unfertig im Schlafanzug vor dem Spiegel.

Unperfekt ist irgendwie mein Dauerzustand. Auf Fotos sehe ich immer wieder, den Kerl, auch wenn alle anderen mich als Frau wahrnehmen. Und irgendwie ließ mich dieser Gedanke nicht mehr los. (bitte meine binäre Sprache nicht als globale Sichtweise betrachtet. Es ist meine persönliche Erfahrung, die ich beschreibe.)

Ich bin eine Frau, nehme mich auch als solche wahr, aber ich mache meine Selbstwahrnehmung oftmals von meinem Passing und damit von meiner Transition abhängig. Es ist ein wenig so, als spräche mein inneres Selbst mir das Frausein ab, wenn ich nach außen nicht „perfekt weiblich“ erscheine. Ja, natürlich ist es nach außen leichter als Frau wahrgenommen zu werden, wenn ich die entsprechende Kleidung trage, Make-Up sitzt und das Passing stimmt, aber: mein Frausein ist davon unabhängig.

Nun gibt es am Weg durch die Transition… Moment erstmal ne Begriffsklärung: Den Weg vom zugewiesen Geschlecht zum Leben in der eigenen, passenden Identität (Gender/Geschlecht/Wieauchimmer) nenne wir Transition. Und auf diesem Weg stecken wir oft fest, gerade wenn das inner Idealbild und das Äußere nicht aufeinander passen und nicht passend gemacht werden können.

Tja, was macht man, wenn das Selbstbild vom eigenen Körper abweicht? Ja, in den meisten Fällen führt das zu einer ziemlichen Krise. Es kommen Selbstzweifel auf und überhaupt ist dann alles bääääh. In diesem Zustand vergesse ich dann oft das wichtigste: Ich war immer eine Frau. Das war komplett unabhängig von meinem Körper, meiner Kleidung, meinem Namen, meinen Pronomen. Ich wusste es.

Wenn ich meinen eigenen Blickwinkel etwas verlasse und mich umsehe, dann erkenne ich: Die körperliche perfekte Übereinstimmung mit dem inneren Zustand… Sorry, das schafft niemand. Der wesentliche Schritt ist, die Erkenntnis der eigenen Identität. es ist nicht wichtig, wie die perfekte Frau auszusehen.

Wichtiger als perfekt zu sein, ist es: authentisch zu sein. Mein Bartschatten ist ehrlich gesagt den meisten Menschen herzlich egal… Selbst meine Stimme ist bei genauer Betrachtung kein Problem. Mein Auftreten, meine Körpersprache, mein Bewusstsein über mich Selbst, das alles transportiert meine Identität, mein Ich-Sein, mein Geschlecht.

Authentisch sein bedeutet sich nicht zu verbiegen, um die Ansprüche anderer zu erfüllen, sonder einfach selbst zu sein – mit allen Zweifeln und der eigenen Selbstsicherheit. Passing ist lediglich eine Wahrnehmung durch die Außenwelt. Durch mein Passing wird meine Identität nicht definiert. Die eigene Identität auch mit einem nennen wir es 3/4 Passing zu leben bedeutet natürlich, dass ich aus einigen Schubladen ausbreche. Aber das bin nun mal ich.

Ich bin die Person, die meine Kinder Papa nennen. Ich bin bin die Frau meiner Frau. Ich bin Nina… und das wäre ich auch mit Vollbart und Glatze.

In vielen Phasen der Transition stecken wir fest. Es scheint keine Entwicklung zu passieren oder wir nehmen sie einfach nicht wahr. Wenn ihr also nicht schafft, das Passing zu verändern, dann schaut einfach mal nach innen und lasst eurer Identität mal ein wenig Raum. Sie wird einen Weg finden nach außen zu dringen. Und das unabhängig von Kleidung, Make-Up, Frisur und Äußerlichkeiten.

Und ja, manchmal ist es einfach sauschwer authentisch zu sein, wenn dein Spiegel dir einen fremden Menschen zeigt. Gebt einfach nicht auf  ❤

Der Advent kommt…

Alle Jahre wieder kommt die Vorweihnachtszeit und der Advent. In den meisten Familien gibt es eine Tradition was Adventkalender angeht. Wie wichtig das besonder einigen Müttern ist, konnte man bei Twitter, facebook und auf zahlreichen Blogs in den letzten Wochen unter anderem unter dem Hashtag #bastelgate verfolgen.

Nein, ich schreibe nicht über gekauft, gebastelte oder sonst welche Adventkalender, sondern über eine Tradition meiner Familie. Mein Vater Kauft für alle weiblichen Familienmitglieder (also seine Töchter und Schwiegertöchter) einen Adventkalender. es ist keiner mit Schokolade, sondern eine dieser schönen bunten Grußkartenkalender. Alljährlich bekommen alle seine Mädchen also Post.

Als ich letztes Jahr in der Post einen solchen Kalender fand, war ich kurzzeitig von Freude überwältigt. Leider stand darin in den Worten meiner Mutter, dass mein Vater nichts davon wissen dürfe und sie meine Karte geheim abgeschickt hatte. Ich freute mich schon, dass sie anfing, mich anzunehmen, aber es tat weh, zu lesen, dass mein Vater sich so weit abgewandt hatte.

Gestern erhielt ich ein Paket mit Süßigkeiten und kleinen Spielsachen für die Kinder. Darin auch zwei Adventkalender. Einer für meine Frau und einer für mich. Am Umschlag die Handschrift meiner Mutter… ich schaute die Karte kurz an. Ehrlich gesagt ließ mich der Adventkalender ziemlich kalt. Er erinnerte mich mehr an die offenen Themen mit meinen Eltern, als er mir das Gefühl von Akzeptanz und Verständnis vermittelte.

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Ich habe heute Vormittag mit meiner Schwester telefoniert. Normalerweise schreiben wir uns über WhatsApp, aber irgendwie passte das heute nicht und so sprachen wir seit längerem wieder zum ersten mal. wir sprachen über dies und das, über Kinder, Schule, Krankheiten und Kleinigkeiten, bis sie einwarf: „Übrigens: wenn du Post von Mutti bekommst. Sie kämpft voll für dich…“ Wie bitte? Meine Mutter setzt sich für mich ein? Ich war erstaunt. Dieses Jahr weiß mein Vater vom Adventkalender. Er war anscheinend nicht begeistert, aber meine Mutter fand erstens: Ich soll einen bekommen und zweitens: Mein Vater sollte es auch wissen.

Es ist winziges Ritual, dieser Kalender. Eigentlich eine Kleinigkeit. Ich weiß seit heute, dass meine Mutter einen großen Schritt gemacht hat. Und ich freue mich nun auf den 1. Dezember. Nein, ich werde ihr nicht verraten, was meine Schwester mir anvertraut hat… Ich werde einfach am 1.12. ein Foto der beiden Adventkalender machen und mit einem kleinen Danke per WhatsApp an meine Mutter schicken.

Mama, schau… 

Gestern war ich im Kino. Mein mittlerer Sohn hatte sich das zum Geburtstag gewünscht. Also fuhr ich mit zwei überdreht gut gelaunten Jungs unter zehn los.

Ich liebe Kino schon seit meiner Kindheit. Diese bunten Geschichten in dem dunklen Raum waren immer etwas ganz Besonderes. Als ich in meiner Jugend die Möglichkeit bekam, in einem kleinen Kino zu helfen (und somit Filme gegen Bezahlung  sehen zu können) war ich mit Begeisterung dabei.

Gestern lief es anders. Im cinematischen Großbetrieb in der Schlange stehen, um die reservierten Karten abzuholen. Über die Schlange beim Einlass zur Schlange vor der Toilette und dann warten bis der Saal aufging. Es war Samstag nachmittag und entsprechend voll mit Familien. 

Die Jungs waren herrlich. Sie unterhielten sich so, dass ich fast nichts zu tun hatte. Ich wartete, bis die Schlange beim Popcornverkauf etwas kürzer wurde und stellte mich an. Während ich mir die Frage stellte, was zur Hölle in Popcorn drin wäre, damit eine Portion 5€ kosten würde, hörte ich eine Stimme: „Mama, schau…“

Ein kleines Mädchen starrt mich an. Ich lächle zurück. Daneben kämpft ein etwas größeres Mädchen noch immer um die Aufmerksamkeit der Mama, den Zeigefinger in meine Richtung ausgestreckt. Ich lächle immer noch. Warum auch nicht. Ich weiß, dass ich anders bin. 

Meine Laune bekommt einen Knick, als die Mutter reagiert. „Kuck da nicht so hin.“ Sie wendet den Blick sehr auffällig ab und starrt auf den Fußboden. Die Reaktion erstaunt mich. Ich fühlte mich durch die Kinder nicht belästigt, freute mich sogar ein wenig über die Neugierde, die ich besonders bei der kleinen erkannte. Aber ich merke, dass ich nicht ins Weltbild der Mutter passe.

Ich kann ja verstehen, dass die Dame in der Schlange mit mehreren Kindern einiges im Kopf hat. Die Aussicht für drei Portionen Popcorn und Cola einen Kleinkredit aufnehmen zu müssen, stresst sicher zusätzlich. Aber warum verbietet jemand seinen Kindern neugierig zu sein?